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Home»Europa»Deutschland»Bayern»Wolfratshausen

Wolfratshausen - Steckbrief, Geschichte - Was unternehmen?

Sebastian Fiebiger Sebastian Fiebiger↻ 6. Oktober 2026
Reihe von Altstadthäusern mit Läden im Erdgeschoss, vorn ein gelbes Eckhaus mit Lederwarengeschäft
Geschäftshäuser mit bemalten Fassaden in der Altstadt von Wolfratshausen (Foto: it'sme photos / Shutterstock)

Wolfratshausen

Wolfratshausen ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern und war bis zur Gebietsreform 1972 Kreisstadt des gleichnamigen Altlandkreises. Sie liegt im Bayerischen Oberland, rund 30 Kilometer südlich von München, dort wo die Loisach in die Isar mündet. Die Altstadt mit Obermarkt und Untermarkt ist eng mit der Geschichte der Flößerei verbunden. Von hier aus haben über Jahrhunderte Flöße Baumaterial nach München gebracht.

Heute ist Wolfratshausen Endstation der Münchner S-Bahn-Linie S7 und bildet zusammen mit der direkt südlich angrenzenden Nachbarstadt Geretsried ein gemeinsames Mittelzentrum mit rund 44.000 Einwohnern. Größter Arbeitgeber ist der Dichtungshersteller EagleBurgmann. Bekannt ist die Stadt auch als Kulisse der ARD-Serie "Hubert und/ohne Staller".

Inhaltsverzeichnis

  • Steckbrief
  • Bilder
  • Geschichte
  • Was kann man in Wolfratshausen unternehmen?

Steckbrief

Merkmal Angabe
Bundesland Bayern (Regierungsbezirk Oberbayern)
Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Einwohnerzahl 19.536 (Stand: 31. Dezember 2025)
Postleitzahl 82515
Kfz-Kennzeichen TÖL, WOR
Vorwahl 08171
Offizielle Website www.wolfratshausen.de
Ausländeranteil 17,5 Prozent (Stand: Ende 2020)
Durchschnittsalter 44,7 Jahre (Stand: Ende 2022)
Religion 37,2 Prozent katholisch, 13,5 Prozent evangelisch, 49,3 Prozent konfessionslos, andere oder ohne Angabe (Zensus 2022)
Partnerstädte Barbezieux (Frankreich, seit 1970), Iruma (Japan, seit 1987), Manzano (Italien, seit 2026), Städtefreundschaft mit Brody (Ukraine, seit 2009)
Lagekarte: Wolfratshausen liegt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern. Die Stadt liegt rund 28 Kilometer Luftlinie von München entfernt und hat 19.536 Einwohner (31.12.2025).
Lagekarte: Wolfratshausen in Bayern Grafik: Localpedia
Liniendiagramm: Einwohner von Wolfratshausen 1990 bis 2025. 1990 waren es 15.541, Ende 2025 19.536. Wolfratshausen hat seit 1990 um 26 Prozent zugelegt.
Wolfratshausen: Einwohner 1990 bis 2025 Grafik: Localpedia

Bilder

Eine Straße in der Altstadt von Wolfratshausen mit einem Wegweiser zum Kalvarienberg und zur Panoramatafel (Foto: it’sme photos / Shutterstock)
Bürgerhäuser in der Altstadt von Wolfratshausen an einem Wintermorgen (Foto: it’sme photos / Shutterstock)
Geschäftshäuser mit bemalten Fassaden in der Altstadt von Wolfratshausen (Foto: it’sme photos / Shutterstock)
Ein Haus mit bemalter Fassade in der Altstadt von Wolfratshausen (Foto: it’sme photos / Shutterstock)
Die Pfarrkirche St. Andreas in Wolfratshausen, davor der Brunnen auf dem Marienplatz (Foto: Rico Markus / Shutterstock)
Das Rathaus von Wolfratshausen am Marienplatz mit seinem geschwungenen Ziergiebel (Foto: it’sme photos / Shutterstock)

Geschichte

Ersterwähnung, Burg und Markt

Im Jahr 1003 ist der Ort als "Wolueradeshusun" in einer Urkunde König Heinrichs II. zum ersten Mal genannt worden. Es ging dabei um die Abgrenzung eines Jagdgebiets. 1116 haben die Grafen von Wolfratshausen, eine Seitenlinie der Andechser, auf dem Berg über dem Ort eine Burg errichtet.

Die Flößerei hat bereits im 12. Jahrhundert begonnen. Die Flöße haben vor allem Baumaterial nach München transportiert. 1280 ist Wolfratshausen erstmals als Markt bezeichnet worden. Seit dem 13. Jahrhundert war der Ort außerdem Sitz eines Landgerichts. Die Burg diente den Wittelsbachern zeitweise als Residenz. Herzog Albrecht III. von Bayern-München ist hier um 1400 zur Welt gekommen.

Krieg, Pest und der Verlust der Burg

1632, mitten im Dreißigjährigen Krieg, haben schwedische Truppen den Markt überfallen. Sie haben viele Gebäude in Brand gesteckt, darunter auch die Kirche. Zwei Jahre später haben spanische Soldaten die Pest eingeschleppt, an der erneut zahlreiche Bewohner gestorben sind.

Das Ende der Burg kam am 7. April 1734. Ein Blitz hat in den Pulverturm eingeschlagen und mehr als 17 Tonnen Pulver zur Explosion gebracht. Die Steine der Ruine sind unter anderem beim Bau der Münchner Residenz verwendet worden. Heute erinnern nur noch ein Gedenkstein und einige Tuffsteinreste an die Anlage.

Blütezeit der Flößerei und Anschluss an die Bahn

1848 hat die Floßfahrt ihren Höhepunkt erreicht. Rund 5800 Flöße haben in diesem Jahr in Wolfratshausen abgelegt. 1853 hat der Ort das größte Hochwasser seiner Geschichte erlebt. 1874 ist ein Großteil des Obermarkts abgebrannt.

Am 27. Juli 1891 hat die Isartalbahn ihren Betrieb aufgenommen und Wolfratshausen mit München verbunden. Drei Jahre später ist durch den Umbau der Kastenmühle in ein Wasserkraftwerk der elektrische Strom in den Ort gekommen. 1901 ist die Pupplinger Au unter Naturschutz gestellt worden. Der Loisach-Isar-Kanal war 1924 fertig. Die Loisach wurde in den folgenden Jahren begradigt.

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

Von 1926 bis 1938 hat in Wolfratshausen eine jüdische Frauenfachschule bestanden. Nach den Novemberpogromen 1938 mussten die Schülerinnen den Ort binnen weniger Stunden verlassen. 1937 hat im Staatsforst der Bau einer Sprengstofffabrik samt Unterkünften für deutsche Arbeiter und ausländische Zwangsarbeiter begonnen.

Aus einem dieser Lager, dem Lager Föhrenwald, ist nach dem Krieg ein Lager für sogenannte Displaced Persons geworden. 1957 ist daraus der heutige Ortsteil Waldram entstanden. Der Markt selbst ist den Amerikanern 1945 kampflos übergeben worden. Kurz vor Kriegsende sind allerdings KZ-Häftlinge auf Todesmärschen durch Wolfratshausen getrieben worden, woran heute Denkmäler entlang der Strecke erinnern.

Stadterhebung und Gegenwart

1961 ist der Markt zur Stadt erhoben worden. Mit der Gebietsreform am 1. Juli 1972 sind die Landkreise Bad Tölz und Wolfratshausen zum neuen Landkreis verschmolzen, der seit 1973 den Namen Bad Tölz-Wolfratshausen trägt. Im selben Jahr ist erstmals die S-Bahn bis Wolfratshausen gefahren. 1978 kam die Gemeinde Weidach hinzu.

Bundesweit bekannt wurde die Stadt am 11. Januar 2002. Beim "Wolfratshauser Frühstück" haben Edmund Stoiber und Angela Merkel entschieden, dass Stoiber Kanzlerkandidat der Union wird. 2003 hat Wolfratshausen sein 1000-jähriges Bestehen gefeiert. Die japanische Partnerstadt Iruma hat der Stadt dazu einen Japanischen Garten geschenkt. 2010 hat Wolfratshausen den Titel "Internationale Flößerstadt" erhalten. Im Mai 2026 ist aus der seit 1976 bestehenden Freundschaft mit dem italienischen Manzano eine offizielle Städtepartnerschaft geworden.

Was kann man in Wolfratshausen unternehmen?

Auf dem Floß nach München

Die Floßfahrt ist bis heute das bekannteste Angebot der Stadt. In den Sommermonaten legen die Flöße an der Loisach ab und treiben über die Isar bis nach München-Thalkirchen. Die Fahrt dauert rund sechs Stunden. Wer morgens zur Floßlände kommt, kann zusehen, wie die Flöße zusammengebaut werden.

Durch die Altstadt spazieren

Die Altstadt ist seit 2005 verkehrsberuhigt und erzählt auf engem Raum die Geschichte des Orts. Zu sehen sind unter anderem das 1805 gebaute Rathaus am Marienplatz, die 1484 errichtete Pfarrkirche St. Andreas und der Humplbräu, ein Gasthof, der bereits 1619 urkundlich erwähnt worden ist. Ein Hörpfad mit Schautafeln und Audiosequenzen führt entlang der Loisach zu den Stationen der Flößerei, darunter die Alte Floßlände mit dem Flößerdenkmal und die Floßmeisterhäuser.

Heimatmuseum am Untermarkt

Das Heimatmuseum am Untermarkt 10 ist zur 1000-Jahr-Feier 2003 erweitert und später neu konzipiert worden. Der Rundgang beginnt mit einer audiovisuellen Show zur Entstehung der Voralpenlandschaft und widmet einen großen Teil der Ausstellung dem Transport und der Flößerei.

Erinnerungsort Badehaus in Waldram

Im Ortsteil Waldram dokumentiert der 2018 eröffnete Erinnerungsort Badehaus die Geschichte der Siedlung. Sie ist ab 1939 als NS-Mustersiedlung für Rüstungsarbeiter entstanden, hat nach dem Krieg als Lager Föhrenwald jüdische Displaced Persons aufgenommen und ist 1957 zum Wohnort für Heimatvertriebene geworden. Träger ist der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald, der das Gebäude vor dem Abriss bewahrt hat.

Hinauf in den Bergwald

Direkt hinter der Kirche St. Andreas führt eine steile Treppe in den Bergwald, der unmittelbar an die Innenstadt grenzt. Von oben reicht der Blick über das Stadtgebiet bis zu den Gipfeln von Karwendel und Wettersteingebirge. Ein rund zwei Kilometer langer Walderlebnispfad mit 15 Stationen richtet sich vor allem an Kinder. Er wird derzeit überarbeitet.

Japanischer Garten an der Johannisbrücke

Der kleine Japanische Garten "Yuko Nihon Teien" an der Johannisbrücke ist ein Geschenk der Partnerstadt Iruma zum Stadtjubiläum 2003. Der Name bedeutet so viel wie "Japanischer Garten der Freundschaft".

Märchenwald im Isartal

Der 1968 eröffnete Freizeitpark Märchenwald im Isartal zeigt mehr als 20 Märchen mit über 260 beweglichen Figuren. Dazu kommen Fahrgeschäfte wie die "Oachkatzl"-Achterbahn und Kletterspielplätze. Der Park richtet sich vor allem an Familien mit jüngeren Kindern.

Radeln und Wandern in der Pupplinger Au

Nördlich der Stadt liegt das Naturschutzgebiet Pupplinger Au, wo die Loisach in die Isar mündet. Durch die Auen führen Radwege, darunter die Isar-Loisach-Radrunde und die 225 Kilometer lange Via Bavarica Tyrolensis von München ins Inntal. Der Starnberger See ist mit dem Rad etwa zwölf Kilometer entfernt. Im Winter gibt es in der Umgebung rund 200 Kilometer Langlaufloipen.

Drehorte von "Hubert und/ohne Staller"

Die ARD-Krimiserie spielt im fiktiven Polizeirevier Wolfratshausen und wird in der Stadt und ihrer Umgebung gedreht. Die Tourist-Information bietet dazu einen eigenen Weg und eine Radtour zu den Drehorten an.


Warst Du schon mal in Wolfratshausen? Hat es Dir gefallen? Was muss man unbedingt sehen, wenn man dort ist?

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Sebastian Fiebiger

Sebastian ist Dipl. Wirtschaftsinformatiker und arbeitet seit 1998 für verschiedene Onlinemedien. Er engagiert sich ehrenamtlich in Projekten zur Krebsforschung, ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin. Seit 2004 leitet er die Redaktion. - Profil

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