
Halberstadt
Halberstadt ist die Kreisstadt des Landkreises Harz in Sachsen-Anhalt. Die Stadt liegt im nördlichen Harzvorland und zählt rund 36.600 Einwohner. (Stand: Ende 2025)
Mehr als 800 Jahre lang war Halberstadt Bischofsstadt. Aus dieser Zeit stammen der gotische Dom und einer der größten mittelalterlichen Kirchenschätze Europas.
Am 8. April 1945 ist die alte Fachwerkstadt bei einem Luftangriff zu großen Teilen zerstört worden.
Heute versteht sich Halberstadt als “Tor zum Harz”. Bekannt ist der Name zudem durch Würstchen aus der Dose und durch ein Orgelstück, das 639 Jahre dauern soll.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Bundesland | Sachsen-Anhalt |
| Landkreis | Harz (Kreisstadt) |
| Einwohner | 36.615 (Stand: Ende 2025) |
| Fläche | 142,98 km² |
| Höhe | 122 m ü. NHN |
| Fluss | Holtemme |
| Bistumsgründung | 804 |
| Postleitzahl | 38820 |
| Telefonvorwahl | 03941 |
| Kfz-Kennzeichen | HZ, HBS (Altkennzeichen) |
| Website | halberstadt.de |
Bilder
Geschichte
Gründung als Bischofssitz
Halberstadt ist aus einem Missionsstützpunkt an der Ostgrenze des Frankenreichs hervorgegangen. Als Gründungsjahr des Bistums gilt 804. Karl der Große hat den Ort damals zum Sitz eines Bischofs bestimmt.
859 ist der erste Dom geweiht worden.
989 hat Halberstadt das Markt-, Münz- und Zollrecht erhalten. Die Siedlung unterhalb der Domburg wuchs damit zur Handelsstadt.
1179 hat Heinrich der Löwe die Stadt im Streit mit dem Bischof niedergebrannt. Auch Dom und Domburg sind dabei zerstört worden.
Dombau und Bürgerstadt
Ab 1236 ist der heutige Dom entstanden. Der Bau hat sich über zweieinhalb Jahrhunderte hingezogen, geweiht worden ist die Kathedrale erst 1491.
Neben der Domburg wuchs zugleich die Bürgerstadt mit eigenen Märkten und Kirchen. Der Roland vor dem Rathaus stammt von 1433 und steht für die städtischen Freiheiten.
1591 ist die Reformation eingeführt worden.
Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 endete die Herrschaft der Bischöfe. Das Land ist als weltliches Fürstentum Halberstadt an Brandenburg gefallen.
Preußische Zeit und Industrie
Unter Brandenburg-Preußen war Halberstadt Verwaltungs- und Garnisonsstadt. Ab 1747 hat der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim hier als Sekretär des Domkapitels gearbeitet. Sein Haus wurde zum Treffpunkt von Schriftstellern aus ganz Deutschland.
1883 hat der Fleischermeister Friedrich Heine eine Würstchenfabrik gegründet. Ab 1896 hat er die Halberstädter Würstchen als weltweit Erster in Dosen haltbar gemacht.
Um die Jahrhundertwende ist Halberstadt zur Industriestadt geworden. Seit 1903 fährt eine elektrische Straßenbahn. 1912 haben die Halberstädter Flugzeugwerke ihren Betrieb aufgenommen.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg hat ein Junkers-Werk in Halberstadt Flugzeugteile gebaut. Für die Verlagerung der Produktion unter die Erde mussten Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald Stollen in die Thekenberge treiben. Sie waren im Außenlager Langenstein-Zwieberge untergebracht und viele haben die Zwangsarbeit nicht überlebt.
Eine Gedenkstätte bei Langenstein erinnert heute an sie.
Am 8. April 1945 haben mehr als 200 amerikanische Bomber die Stadt angegriffen. Die Innenstadt ist zu über 80 Prozent zerstört worden, mehr als 1.800 Menschen sind gestorben. Von gut 700 Fachwerkhäusern der Altstadt ist der größte Teil verbrannt.
Drei Tage später sind amerikanische Bodentruppen einmarschiert.
DDR-Zeit und Neuanfang
Nach dem Krieg lagen weite Teile der Innenstadt jahrelang in Trümmern. Die DDR hat die Lücken ab den 1960er Jahren mit Plattenbauten gefüllt. Selbst erhaltene Fachwerkviertel sind noch in den 1980er Jahren abgerissen worden.
Nach der Wende ist die verbliebene Altstadt Stück für Stück saniert worden. Ab 1995 ist am Holzmarkt ein neues Zentrum entstanden, 1998 hat die Stadt ihr neues Rathaus eröffnet.
Seit 2001 läuft in der Burchardikirche das Orgelprojekt zu Ehren von John Cage. 2007 ist Halberstadt Kreisstadt des neu gebildeten Landkreises Harz geworden.
Sehenswürdigkeiten
- Der Dom St. Stephanus und St. Sixtus ist 1236 bis 1491 nach dem Vorbild französischer Kathedralen gebaut worden. Zusammen mit dem Domplatz bildet er das Zentrum der historischen Stadt.
- Der Halberstädter Domschatz umfasst mehr als 600 Stücke und zählt zu den größten mittelalterlichen Kirchenschätzen Europas. Dazu gehören byzantinische Prunkstücke und Bildteppiche aus romanischer Zeit.
- Die Liebfrauenkirche gegenüber dem Dom stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 11. Jahrhundert. Sie gilt als einzige erhaltene viertürmige Basilika der Romanik in Mitteldeutschland und gehört zur Straße der Romanik.
- Die Martinikirche war die Hauptkirche der Bürgerstadt. Ihre beiden Türme sind unterschiedlich hoch.
- Das Gleimhaus neben dem Dom ist seit 1862 ein Literaturmuseum und damit eines der ältesten in Deutschland. Gezeigt wird unter anderem Gleims “Freundschaftstempel” mit Porträts befreundeter Dichter und Gelehrter.
- In der Burchardikirche läuft seit 2001 das Orgelstück ORGAN²/ASLSP von John Cage. Der Titel steht für “as slow as possible” und die Aufführung ist auf 639 Jahre angelegt. (geplantes Ende: im Jahr 2640)
- Im Keller des Jagdschlosses Spiegelsberge liegt ein Riesenweinfass aus dem Jahr 1594. Es fasst 144.000 Liter und gilt als das älteste erhaltene Fass dieser Größe weltweit. Der umgebende Landschaftspark ist im 18. Jahrhundert angelegt worden.
- Das Museum Heineanum widmet sich der Vogelkunde. Es geht auf die Sammlung des Ornithologen Ferdinand Heine zurück.
- Das Berend-Lehmann-Museum erzählt von der jüdischen Geschichte der Stadt. Halberstadt war über Jahrhunderte ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit.
Verkehrsanbindung
- Die Autobahn A 36 verläuft südlich der Stadt. Sie verbindet den Raum Braunschweig mit Bernburg an der Saale.
- In Halberstadt treffen sich die Bundesstraßen B 79, B 81 und B 245. Die B 81 führt von Magdeburg kommend weiter in den Harz.
- Der Bahnhof ist der wichtigste Eisenbahnknoten im nördlichen Harzvorland. Regionalzüge fahren stündlich nach Magdeburg und Halle sowie in Richtung Goslar und Thale. 2011 ist das sanierte Empfangsgebäude als “Bahnhof des Jahres” ausgezeichnet worden.
- Die Straßenbahn fährt seit 1903 elektrisch. Zwei Linien verbinden den Bahnhof mit der Innenstadt und den großen Wohngebieten.
- Busse der städtischen Verkehrsgesellschaft ergänzen das Netz und binden zudem die Ortsteile an.
Einwohnerzahl
In Halberstadt leben 36.615 Menschen. (Stand: Ende 2025)
Nach der Wende ist die Einwohnerzahl stark gefallen. 1990 lebten hier noch rund 51.500 Menschen. Viele junge Leute sind damals weggezogen, um in den alten Bundesländern eine Ausbildung zu absolvieren oder eine Arbeitsstelle zu finden.
2010 hat die Stadt mehrere umliegende Dörfer eingemeindet, darunter das Schachdorf Ströbeck. Den Rückgang der Einwohnerzahl hat das aber nur gebremst.
Seit dem Zensus von 2022 ist die Einwohnerzahl nahezu stabil.
Lage
Halberstadt liegt im nördlichen Harzvorland auf 122 Metern Höhe. Durch die Stadt fließt die Holtemme. Der kleine Fluss entspringt im Harz und mündet später in die Bode.
Nördlich der Stadt erhebt sich der bewaldete Höhenzug Huy. Im Süden beginnen die ersten Hügel vor dem Harz. (Spiegelsberge und Klusberge)
Nach Quedlinburg sind es rund 15 Kilometer und nach Wernigerode rund 20.
Magdeburg liegt etwa 45 Kilometer nordöstlich.
Reisen
Halberstadt eignet sich als Ausgangspunkt für Touren in den Nordharz. Für die Stadt selbst reicht gut ein Tag.
Mit dem Auto kommt man über die A 36. Bahnreisende erreichen Halberstadt stündlich aus Magdeburg oder Halle. Vom Bahnhof aus ist man mit der Straßenbahn in ein paar Minuten in der Altstadt.
Erste Anlaufstelle ist der Domplatz mit Dom, Domschatz und Liebfrauenkirche. Für den Domschatz sollte man genug Zeit einplanen.
Ein besonderer Anlass sind die Klangwechsel des John-Cage-Projekts in der Burchardikirche. Der nächste steht im August 2026 an.
Für Ausflüge bieten sich die Welterbestadt Quedlinburg und Wernigerode mit seinem berühmten Rathaus und Schloss an. Dazu kommt das Schachdorf Ströbeck, dessen Schachtradition seit 2016 im Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes steht.
Als Mitbringsel sind Halberstädter Würstchen in der Dose der Klassiker.
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